Upgrade

Ab morgen wird Paula upgradig Auto fahren.. sie freut sich wie Bolle und Laurin ist neidisch und will „auch einen neuen Sessel“.

Dramen am Rande

Nicht nur Laurin und Paula machen so ihre Erfahrungen, auch die Mama wird ein wenig auf die Probe gestellt, wie belastbar sie doch ist…

Der Fensterheber auf der Fahrerseite meines Autos ist ja schon einige Monate defekt. Mal ging er, mal nicht, zum Glück ist er nie verreckt, als das Fenster unten war. Es ist allerdings kein Vergnügen, sich hochschwanger aus dem Auto zu quälen, weil man an der Tiefgarage vor der Schranke steht und wieder mal vergessen hat, daß dieses verflixte Ding nicht geht. Gut, kein lebensbedrohliches Ding, aber vielleicht ein Vorbote der Katastrophe.

Sonntag abends waren wir auf dem Rückweg von den Großeltern. Mama fuhr, auf halber Strecke tönte plötzlich des Gatten Stimme von hinten, ich solle mal dieses ABS-Licht ausmachen… HÄ? Hat Laurin wieder irgendwo drauf gedrückt? Das ist ja eine Unart, die ich nicht aus ihm rauskriege, ständig tritt er nach dem Armaturenbrett, verstellt das Radio, macht die Scheibenheizung an usw. Aber die beiden Kinder hinten alleine nebeneinander ist mir auch nicht recht, dazu verhält sich Laurin Paula gegenüber zu unberechenbar, Platzprobleme haben wir außerdem. Also wurde der Airbag auf der Beifahrerseite deaktiviert und seitdem sitzt Laurin vorne, ist auch mit dem Anschnallen einfacher. Das nur am Rande.

Ich suchte also und fand den Schalter, drückte, nix passierte.. doch halt: Plötzlich ging das Radio aus, gleich wieder an und das gesamte Armaturenbrett blinkte wie ein Weihnachtsbaum. Kurz darauf funktionierte das Gaspedal nicht mehr, es bremste, wenn ich Gas gab. Ich also rechts rangefahren, Auto aus und wollte wieder starten: NIX. Nicht mal klick gemacht hat es… na super. Wir erinnern uns: Autobahn, sackrabenschwarze Nacht, 2 kleine Kinder im Auto, halbe Strecke nach Hause. Also wollte Männe den ADAC anrufen. Der Hit war, daß sein Handy grad schlapp gemacht hatte, der Akku ist hin, und ich bei dieser Gelegenheit festgestellt habe, daß meine Handtasche noch bei der Oma an der Gardrobe hing *ARGH*. Zufälligerweise hatte ich mein Handy aber in der Hosentasche und Männe konnte damit anrufen. Nur kam er bei der Dunkelheit nicht mit der Tastatur klar und fluchte sehr lästerlich. Warnweste an und Warndreieck wurden auch noch schnell aufgestellt. Mittlerweile fing Paula an zu heulen, sie war zu warm angezogen und hatte außerdem Hunger.. naja, stillen im Auto ist eine meiner leichtesten Übungen, nur ob die Milch geschmeckt hat, so aufgeregt wie ich war? Laurin war jedenfalls ziemlich cool, meine Erklärung, daß das Auto nun kaputt ist, weil er immer ans Armaturenbrett tritt und an den Knöpfen fummelt, hat hoffentlich etwas Eindruck hinterlassen (ich weiß, ich bin gemein.) Sein Kommentar war: Auto geht nicht mehr? Toom fahren, neue Batterie kaufen.. haha.

Dann rief ich meinen Schwager an, der Luftlinie nur einige km weit weg wohnte, der ging glücklichweise auch ans Telefon, denn das ist Sonntag abends auch sonst nicht der Fall. Zeitgleich kamen er und der ADAC bei uns an. Der liebe Markus fuhr uns heim, zum Glück dachte ich noch rechtzeitig daran, Männes Hausschlüssel einzukassieren, damit wir reinkämen, dafür ließ ich ihm mein Handy da.

Witzigerweise kam Micha dann nur 10 Minuten nach uns an, der Mechaniker hatte irgendwie auf der Lichtmaschine rumgekloppt, dann gings wieder, irgendwelche Kohlen seien nachgerutscht, aber man sollte schnellstens in die Werkstatt.. püühhh.. schnell die Kinder ins Bett, ich war mit den Nerven am Ende.

DAS WAR DER HARMLOSE TEIL DER GESCHICHTE!!!

Am nächsten Morgen brachte ich Laurin in den Kindergarten und in der falschen Gewissheit, daß das Auto ja nun wieder führe, wollte zu den Schwiegerleuten, meine Tasche holen, ehe ich in die Werkstatt fuhr, denn so ganz ohne Geld, Papiere, Schlüssel und so weiter war mir das nix… an der Ampel leuchtete schon wieder die Batterieleuchte, ich bin dann auf Michas Rat gleich an der nächsten Ausfahrt wieder von der Autobahn runter und Richung Werkstatt gefahren, die Adresse war zum Glück im Navi gespeichert und Micha hat mich dort telefonisch angekündigt und auch nach einem Ersatzwagen gefragt.

Nun war ich grad an der Stelle, wo es von der einen Autobahn auf die andere ging und beobachtete das jähe Ende des Standstreifen neben mir, als plötzlich wieder das Radio ausging usw.. diesmal war auf einen Schlag das gesamte Armaturenbrett tot, Blinker ging nicht mehr, Gas geben nicht, Lenkung ging schwer.. ich hab mir fast in die Hosen gepinkelt, knallrote Rübe bekommen und passend fing Paula auf dem Rücksitz an zu öffzen… Hunger! SCHEISSSEEEEEEEEEEEE. Links neben mir ein riesenlanger Holzlaster, rechts überholten mich die Autos schon, weil ich immer langsamer wurde und ja auch nicht blinken konnte und ich mußte auf die linke Spur wechseln auf die andere Autobahn. Anhalten ging nicht, blinken nicht, Gas geben nicht, beim Bremsen hatte ich Angst, daß das Auto stehen blieb.. ich war wie gelähmt und bin einfach weiter gefahren… das war echt eine haarscharfe Sache, ich hab grad noch so die Kurve bekommen. Die nächste Ausfahrt war zum Glück meine… und da verließ es mich, oben auf der Abzweigung auf die Bundesstrasse war das Auto tot. PHEWWWWWWWW… die erstbeste Gelegenheit. Mir sackte erstmal alles in die Knie.

Nun stand ich natürlich voll im Weg, hinter mir staute es sich. Ein netter Autofahrer half mir, das Auto auf den Mittelstreifen zu schieben, Paule heulte mittlerweile. Ich hab die Werkstatt angerufen und meine Lage geschildet. Ob ich noch Garantie hätte? Ging ich mal nach 6 Jahren nicht mehr von aus. Der nächste Mitarbeiter wollte wissen, wo ich stand.. ehrlich gesagt, keine Ahnung vor lauter Schreck. Er wurde dann leicht ungeduldig, was eine gewissen Gnatzigkeit meinerseits zur Folge hatte (außerdem hat der Typ derart genuschelt, daß ich jeden 2. Satz nachfragen mußte) und ich ihn erstmal über meine Situation aufgeklärt habe und etwas näher an Paula rangegangen bin, die es tatsächlich noch schaffte, ihre Lautstärke zu steigern. Der Name der Ausfahrt fiel mir dann noch ein und auf einem Schild konnte ich auch deren Nummer erkennen, aber so viele Autobahnzubringer wirds ja wohl in der Nähe dieses Kaffs nicht geben oder? Er wolle jemanden losschicken.

20 Minuten später kamen sie dann. In der Zeit hat tatsächlich nur ein einziges Auto angehalten und gefragt, ob ich Hilfe brauche, eine Botin von Hermes.. ich schimpfe nie wieder auf diesen Paketdienst. Dabei stand ich wirklich an einer Stelle, wo JEDER anhalten mußte, direkt neben mir.. unglaublich. Ist ja nun auch kein üblicher Parkplatz… aber vielleicht sehen die Bayern das unverkrampfter als wir Hessen.

Für Paula hatte ich zum Glück abgepumpte Milch dabei, die ich ihr bei der Oma geben wollte, die war zwar kalt (ich hatte sie zwar schon leicht angewärmt unter meinem Arm, aber ich bin halt keine Mikrowelle), sie hat auch reklamiert, aber der Hunger trieb es rein und sie war wieder einigermaßen friedlich.

Das Auto wurde dann abgeschleppt, in der Werkstatt gabs dann noch mal bissi Stress, weil ich ja keine Papiere dabei hatte (haha), aber da wir da schon länger Kunde sind und unsere Daten schon im System waren, ging es mit 2 zusammengekniffenen Augen. Ersatzweise hab ich dann einen Fiesta erhalten, 3 Türen.. blöde Fummelei mit den Kindersitzen, wenn man so groß ist wie ich und auf der Rückbank rumpopeln muß mit den zu kurzen Gurten.

Dann hab ich noch schreckensbleich Laurin eingesammelt und wir sind zu den Großeltern gefahren, Tasche abholen und Mittagessen schnorren, die waren total entsetzt über meinen Bericht. Laurin hat sich natürlich gefreut, die beiden schon wieder zu sehen. Er hat wohl mal wieder den 6. Sinn gehabt, denn am Abend zuvor wollte er nicht mit, sondern bei Oma übernachten… wie am Tag vor Paulas Geburt.

Tja.. die Lichtmaschine ist wohl hin, und das wird kein billiges Vergnügen… heut abend ist er wieder flott.. nur der Fensterheber geht dann immer noch nicht, weil sie nicht rechtzeitig den Motor dafür parat haben werden… Und je mehr ich drüber nachdenke, desto klarer wird mir, was für ein Schwein ich gestern auf der Autobahn hatte, als ich allein unterwegs war und nicht auf die Seite fahren konnte.. da waren wohl nicht nur 1, sondern 3 Schutzengel dabei: Meiner, Paulas und der vom Auto… DANKE!

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